Pflegegrad beantragen 2026: Der aktuelle Schritt-für-Schritt-Guide
Der Eintritt eines Pflegefalls kommt oft plötzlich und unvorbereitet. Damit Betroffene schnell finanzielle und pflegerische Unterstützung aus der Pflegeversicherung erhalten, ist der Antrag auf einen Pflegegrad der wichtigste erste Schritt. Besonders im Jahr 2026 sind durch die BEEP-Reform (Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege) einige neue Regelungen inkraftgetreten, die Sie kennen sollten.
In diesem Ratgeber erfahren Sie auf Basis der aktuellen Bestimmungen, wie Sie den Pflegegrad richtig beantragen, welche gesetzlichen Fristen die Pflegekassen einhalten müssen und wie Sie sich auf den Termin mit dem Gutachter vorbereiten.
Das Wichtigste in Kürze (Stand 2026)
- Antragstellung: Ein formloser Anruf oder ein kurzer Online-Antrag bei der Pflegekasse (bzw. Krankenkasse) reicht völlig aus, um den Prozess zur Fristwahrung rechtssicher zu starten.
- Bearbeitungsfrist: Die Pflegekasse muss Ihren Antrag in der Regel innerhalb von maximal 25 Arbeitstagen bearbeiten.
- Neuerung 2026: Bei Krankenhaus- oder Reha-Aufenthalten wird das Pflegegeld nun für bis zu 8 Wochen weitergezahlt (früher nur 4 Wochen).
- Pflegegeld 2026: Die Sätze bleiben auf dem Niveau der Erhöhung von 2025 (z.B. 347 € bei Pflegegrad 2).
- Bewertung: Maßgeblich für die Einstufung ist nicht die Diagnose, sondern der Grad der Selbstständigkeit.
In 4 Schritten zum Pflegegrad (Der aktuelle Ablauf)
Mit der richtigen Vorbereitung können Sie Verzögerungen vermeiden. Der Prozess folgt in Deutschland einem festen Muster.
Schritt 1: Den formlosen Erstantrag stellen (So früh wie möglich)
Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten Sie frühestens ab dem Monat der Antragstellung. Warten Sie daher nicht darauf, dass alle Arztberichte vorliegen. Sichern Sie sich stattdessen sofort das Antragsdatum. Der schnellste Weg:
- Digital: Nutzen Sie die Service-App oder das Online-Portal Ihrer Krankenkasse. Hier ist der Erstantrag mit wenigen Klicks erledigt und Sie haben sofort einen digitalen Nachweis.
- Telefonisch: Ein einfacher Anruf bei Ihrer zuständigen Pflegekasse genügt: „Ich möchte einen Antrag auf Pflegegrad stellen“. Notieren Sie sich Namen des Ansprechpartners, Datum und Uhrzeit.
- Schriftlich: Wenn Sie den Postweg bevorzugen, reicht weiterhin ein kurzer Zweizeiler per Brief oder Fax.
Schritt 2: Das Pflegetagebuch führen
Während Sie auf den ausführlichen Fragebogen der Kasse warten, sollten Sie sich auf die Begutachtung vorbereiten. Führen Sie für etwa ein bis zwei Wochen ein Pflegetagebuch, in dem Sie notieren, bei welchen alltäglichen Handlungen Hilfe benötigt wird. Stellen Sie zudem alle aktuellen Diagnosen, Krankenhaus-Entlassungsberichte und den aktuellen Medikamentenplan zusammen.
Schritt 3: Der Gutachtertermin
Ein Gutachter des Medizinischen Dienstes (MD) (oder Medicproof bei Privatversicherten) kündigt sich für einen Termin vor Ort oder per Telefon an. Sorgen Sie zwingend dafür, dass an diesem Termin eine Vertrauensperson – idealerweise die Hauptpflegeperson – anwesend ist.
Schritt 4: Bescheid prüfen und ggf. Widerspruch einlegen
Nach der Begutachtung erstellt die Kasse den offiziellen Leistungsbescheid. Fällt der Pflegegrad aus Ihrer Sicht zu niedrig aus, haben Sie einen Monat Zeit, um Widerspruch einzulegen.
So wird geprüft: Die 6 Module der Begutachtung (NBA)
Das sogenannte Neue Begutachtungsassessment (NBA) bewertet, wie selbstständig der Betroffene in seinem Alltag ist. Bewertet werden sechs Lebensbereiche („Module“), die unterschiedlich stark in die Gesamtbewertung (max. 100 Punkte) einfließen:
| Modul | Geprüfter Lebensbereich | Beispiele für Einschränkungen | Gewichtung |
|---|---|---|---|
| Modul 1 | Mobilität | Aufstehen, Treppensteigen, Fortbewegen im Wohnbereich | 10 % |
| Modul 2 & 3 | Kognitive & Psychische Hilfen | Zeitliche Orientierung, Gedächtnis, Ängste, Unruhe, Abwehrverhalten | 15 % * |
| Modul 4 | Selbstversorgung | Körperpflege, Ankleiden, Essen, Toilettengang | 40 % |
| Modul 5 | Krankheitsbedingte Anforderungen | Medikamenteneinnahme, Verbandswechsel, Blutzuckermessen, Arztbesuche | 20 % |
| Modul 6 | Gestaltung des Alltagslebens | Tagesstrukturierung, Beschäftigung, soziale Kontakte aufrechterhalten | 15 % |
* Hinweis: Die Punkte aus Modul 2 und 3 werden zusammengefasst, wobei nur der Bereich mit dem höheren Punktwert in die Gesamtwertung einfließt.
Finanzielle Leistungen: Das Pflegegeld im Jahr 2026
Nach der deutlichen Erhöhung im Vorjahr verbleiben die Sätze für das Pflegegeld 2026 stabil. Das Geld steht zur freien Verfügung und wird meist als Anerkennung an pflegende Angehörige weitergegeben. So viel Pflegegeld erhalten Sie je nach festgestelltem Grad:
| Pflegegrad (PG) | Pflegegeld pro Monat (2026) | Beeinträchtigung der Selbstständigkeit |
|---|---|---|
| PG 1 | Kein Pflegegeld (aber 125 € Entlastungsbetrag) | Geringe Beeinträchtigungen |
| PG 2 | 347 € | Erhebliche Beeinträchtigungen |
| PG 3 | 599 € | Schwere Beeinträchtigungen |
| PG 4 | 800 € | Schwerste Beeinträchtigungen |
| PG 5 | 990 € | Schwerste Beeinträchtigungen mit besonderen Anforderungen |
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Pflegeantrag
Tipp 2026 Wie oft muss ich den Beratungseinsatz nachweisen?
Ab 2026 greift eine wichtige Neuerung der BEEP-Reform: Pflegebedürftige mit Pflegegrad 4 und 5, die ausschließlich Pflegegeld beziehen, müssen den verpflichtenden Beratungsbesuch nach § 37 Abs. 3 SGB XI nur noch zweimal im Jahr (statt bisher viermal) nachweisen. Für Pflegegrad 2 und 3 bleibt es bei zwei verpflichtenden Terminen pro Jahr.
Wie lange darf die Bearbeitung des Pflegeantrags dauern?
Der Gesetzgeber schreibt vor, dass die Pflegekasse eine Entscheidung innerhalb von maximal 25 Arbeitstagen (Montag bis Freitag) treffen muss. Wird diese Frist überschritten, steht dem Antragsteller für jede begonnene Woche der Verzögerung unter Umständen eine Strafzahlung der Kasse von 70 Euro zu. Ausnahmen gelten etwa, wenn der Antragsteller im Krankenhaus liegt und eine Eilbegutachtung zur Sicherstellung der Entlassung nötig ist (Frist: 5 Arbeitstage).
Was passiert mit dem Pflegegeld bei einem Krankenhausaufenthalt?
Eine weitere enorme Erleichterung seit 2026: Wenn der Pflegebedürftige in ein Krankenhaus oder eine Reha-Einrichtung muss, wird das Pflegegeld nun für die Dauer von bis zu 8 Wochen ungekürzt weitergezahlt (bis 2025 waren es nur 4 Wochen).
Kann ich auch rückwirkend einen Pflegegrad beantragen?
Nein. Leistungen der Pflegeversicherung werden grundsätzlich erst ab dem Monat gewährt, in dem der Antrag gestellt wurde. Liegt der Tag der Antragstellung am Ende des Monats (z. B. am 28.), erhalten Sie die Leistungen für diesen Monat anteilig.
Wer führt die Begutachtung bei privat Versicherten durch?
Während gesetzlich Krankenversicherte vom Medizinischen Dienst (MD) geprüft werden, ist für privat Versicherte das Unternehmen Medicproof zuständig. Die Kriterien (die 6 Module) und die Anforderungen an die Pflegebedürftigkeit sind jedoch identisch.

